Gesichter der Region

Der Wandel der einst grauen Chemieregion hin zu einem fortschrittlichen Industriestandort und attraktiven Lebensumfeld sowie die Menschen in der Region rücken im Festjahr in den Fokus.

Im Rahmen der Porträtreihe „Gesichter der Region“ werden auf dieser Webseite, in einem Dokumentarfilm und einem Jahrbuch Persönlichkeiten aus der Region vorgestellt. Menschen, die hier zuhause sind, täglich zur Arbeit in den Chemiepark pendeln, seit Jahrzehnten einem Betrieb angehören oder zukünftig hier arbeiten wollen. In spannenden Geschichten, Berichten von Zeitzeugen sowie Anekdoten erfahren wir, was sie machen, wofür sie sich engagieren und was sie an ihrer Heimat schätzen.

Patrice Heine – Geschäftsführer der Chemiepark Bitterfeld-Wolfen GmbH

„Am Ende geht es darum, das Leben mit all seinen dynamischen Prozessen anzunehmen. Wer könnte das besser als die Menschen hier vor Ort, die schon einmal einen schwierigen Anpassungsprozess erfolgreich gemeistert haben?“

Er wurde im Osten Deutschlands geboren, reiste noch zu DDR-Zeiten als Jugendlicher mit seiner Familie in den Westen aus, hat im Norden und im Süden der Republik gelebt, in Cottbus studiert, seine Doktorarbeit in den USA geschrieben und an Projekten auf dem Balkan, in Polen, Nordafrika und der Golfregion gearbeitet. Inzwischen ist Patrice Heine allerdings sesshaft geworden. Ganz bewusst hat sich der 1972 geborene Diplom-Ingenieur für Umwelt- und Verfahrenstechnik dafür entschieden, vom Ruhrgebiet nach Sachsen-Anhalt zu ziehen und mit der neuen Arbeitsstelle als Geschäftsführer des Chemieparkes auch eine neue Heimat zu finden. Ganz oder gar nicht lautete die Devise und Heine hat sich für „ganz“ entschieden. Denn am Standort Bitterfeld sei „etwas Cooles“ entstanden, findet er. Etwas, dass sich in den 90er Jahren kaum jemand hätte vorstellen können. Etwas, dass tatsächlich – jenseits aller blumiger Rhetorik – die Versprechen von den „blühenden Landschaften“ einlöse. Etwas, auf das man stolz sein könne, auch wenn es ein bisweilen schmerzhafter, mit Opfern verbundener Prozess bis dorthin war.

Die vielfältigen Erfahrungen in unterschiedlichen Ländern, Kulturen und Gesellschaftssystemen hätten sicherlich zu dieser Einschätzung beigetragen, konstatiert der große, schlanke Mann mit den wachen braunen Augen. Es verändere die Perspektive, mache flexibler, „zufriedener, mit dem was man hat“. Letztlich trage es dazu bei, „Probleme mutiger und zuversichtlicher anzugehen“. Dass Patrice Heine dabei durchaus neue Wege einschlägt, starre Grenzen überschreitet und versucht vermeintliche Gegensätze zu überwinden, zeigt er nicht zuletzt bei seinem ehrenamtlichen Engagement für Umwelt und Natur. Chemieparkleiter und Umweltschützer zugleich zu sein, ist für ihn kein Gegensatz. Heine ist fest davon überzeugt, dass die aktuelle Herausforderung darin besteht, „zwischen beiden Bereichen so zu vermitteln, dass man miteinander leben kann.“ Sicher hätten 125 Jahre Industriegeschichte in der Region starke Schäden hinterlassen. „Aber heute ist die Mulde einer der lebendigsten deutschen Flüsse und ein Paradebeispiel dafür, was man erreichen kann.“ Was in der Region entstanden sei, könne beispielgebend wirken und als Modell vielleicht sogar exportiert werden, wenn man weiter konsequent daran arbeite, sagt er mit Blick auf die Umweltprobleme in China.

Immer noch gelte es hierzulande zwar, ideologische Gräben zu überwinden, doch das könne gelingen. Hier sieht Heine vor allem die Politik gefordert, jenseits von Beeinflussung durch Lobby-Gruppen, Pflöcke einzuschlagen und langfristige Leitlinien zu entwickeln. Was er selbst beitragen kann zur Vermittlung, leitet Patrice Heine in die Wege. Dass die Chemiepark Bitterfeld-Wolfen GmbH eine feste Partnerschaft mit dem Naturparkträgerverein Dübener Heide eingegangen ist, ist seiner Initiative zu verdanken. Jährlich nehmen Mitarbeiter von bis zu sieben am Standort ansässigen Unternehmen bis hin zum Weltmarktführer Heraeus Quarzglas Bitterfeld GmbH & Co. KG an den Aktions- und Erlebnistagen im Naturpark Dübener Heide teil. Beschäftige lernten so nicht allein die Region und die Naturparkanliegen besser kennen, „das Engagement trägt auch enorm zur Standort- und Mitarbeiterbindung und natürlich zur Teambildung bei“. Patrice Heine selbst nennt die Dübener Heide heute sein Zuhause. Er lebt mit seiner Frau und zwei Kindern auf einem ausgebauten Gehöft am Waldrand in der Nähe von Bad Schmiedeberg. Auch das gehöre zu den Freiräumen, die diese Region biete, findet er.

Was er sich wünscht für die Zukunft sind „mehr Menschen, die vorhandene Freiräume gestalten, und lokale Vertreter der Politik, die den Dreiklang Arbeit – Wohnen – Freizeit aktiv mitgestalten“. Patrice Heine ist optimistisch, dass dies glücken kann: „Am Ende geht es darum, das Leben mit all seinen dynamischen Prozessen anzunehmen. Wer könnte das besser als die Menschen hier vor Ort, die schon einmal einen schwierigen Anpassungsprozess erfolgreich gemeistert haben?“, fragt der CPG Geschäftsführer und sieht dabei sehr zuversichtlich aus.

Vorherige Portraits:

Stephanie Sitte – Bildungszentrum Wolfen-Bitterfeld e.V.
Kristian Dietrich – Geschäftsführer des Gemeinschaftsklärwerks Bitterfeld-Wolfen
Jens Piotraschke – Betriebsstättenleiter bei Evonik
Dr. Carsten Schellenberg – Geschäftsführer der IAB Ionenaustauscher GmbH
Elvira Lieder – geschäftsführende Gesellschafterin der AbS Lieder GmbH
Michael Frank – Azubi bei Clariant Produkte (Deutschland) GmbH
Stefan Kauerauf – Werkleiter der Akzo Nobel Industrial Chemicals GmbH
Doris Kambach – Leiterin Buchhaltung Chemiepark Bitterfeld-Wolfen GmbH
Dr. Heiko Mammen – ehemaliger Geschäftsführer, ICL-IP Bitterfeld GmbH
Maren Dannenberg – Assistentin der Geschäftsleitung bei der CBW – Chemie GmbH Bitterfeld-Wolfen
Toralf Nelle – Business Excellence Mitarbeiter und Energiemanagementbeauftragter bei STEP-G
Hagen Sandner – Werkleiter der Heraeus Quarzglas Bitterfeld GmbH & Co. KG
Michael Pratsch – Disponent Werkschutz Securitas Fire Control + Service GmbH & Co. KG Bitterfeld
Silvia Bradler – Geschäftsführerin der Infrastrukturgesellschaft Bitterfeld-Wolfen mbH
Uwe Holz – Leiter Kreismuseum Bitterfeld und Industrie- und Filmmuseum Wolfen
Dr. Harald Rötschke – Geschäftsführer der MDSE Mitteldeutsche Sanierungs- und Entsorgungsgesellschaft mbH
Dr. Jörg Blumhoff – Geschäftsführer ORGANICA Feinchemie GmbH Wolfen
Nadine Straube – Assistentin der Werkleitung, AkzoNobel Industrial Chemicals GmbH
Kenji Shirai & Dr. Wolfgang Greiner – Hi-Bis GmbH