Gesichter der Region

Der Wandel der einst grauen Chemieregion hin zu einem fortschrittlichen Industriestandort und attraktiven Lebensumfeld sowie die Menschen in der Region rücken im Festjahr in den Fokus.

Im Rahmen der Porträtreihe „Gesichter der Region“ werden auf dieser Webseite, in einem Dokumentarfilm und einem Jahrbuch Persönlichkeiten aus der Region vorgestellt. Menschen, die hier zuhause sind, täglich zur Arbeit in den Chemiepark pendeln, seit Jahrzehnten einem Betrieb angehören oder zukünftig hier arbeiten wollen. In spannenden Geschichten, Berichten von Zeitzeugen sowie Anekdoten erfahren wir, was sie machen, wofür sie sich engagieren und was sie an ihrer Heimat schätzen.

Doris Kambach – Leiterin Buchhaltung Chemiepark Bitterfeld-Wolfen GmbH

„Ich habe großes Glück gehabt, so lange hier am Standort des Chemieparks arbeiten zu können.“

Seit mehr als 40 Arbeitsjahren ist Doris Kambach mit der Chemieregion tief verwurzelt, hat Eigentümer, Investoren und Manager kommen und gehen sehen. Heute ist sie die Leiterin der Buchhaltung bei der Chemiepark Bitterfeld-Wolfen GmbH.
Aus Holzweißig stammend, legte sie zunächst in Bitterfeld ihr Abitur ab. Gleich danach begann sie an der Karl-Marx-Universität in Leipzig Mathematik zu studieren. Ungewöhnlich für eine junge Frau, auch damals. „Ich mochte es, Probleme zu lösen“, sagt sie rückblickend zur Wahl dieses Studienfaches.
Fast hätte sie ein Arbeitsangebot aus Greifswald angenommen. Doch eine Erkrankung verhinderte, dass sie ihre Abschlussprüfung ablegen konnte. So blieb sie in ihrer Heimat,
begann im Herbst 1977 im Rechenzentrum des Chemiekombinates zu arbeiten. Und während ihre Kollegen nach acht Stunden Arbeit den Feierabend genießen konnten, holte Doris Kambach Prüfung und Diplomarbeit nach. Mit Ehrgeiz und Disziplin.
Wenn sie sich heute an die riesigen Maschinen im damaligen Rechenzentrum erinnert, muss sie lächeln. Im Vier-Schicht-System hat sie gearbeitet, inklusive Wochenenden. Schon damals hat sie sich auch mit der Programmierung beschäftigt – ein Umstand, der sie mit der Wende zu einer unverzichtbaren Expertin machte. Denn sie war maßgeblich an der Einführung des SAP-Systems beteiligt, hat das Abrechenprogramm mit eingeführt. Es folgten turbulente Jahre für den Chemiestandort, die gescheiterte Erstprivatisierung, dann die Übernahme des Chemieparks durch Jürgen Preiss-Daimler. Hier wird sie zunächst Mitarbeiterin der Buchhaltung. Ihren Fähigkeiten entsprechend wird sie 2005 dann Leiterin. Die bleibt sie auch mit der Übernahme des Chemieparks durch die Gelsenwasser AG im Jahr 2013.
„Eigentlich hat sich in den Jahren immer nur der Name des Arbeitgebers geändert, meine buchhalterische Arbeit ist im Grunde gleich geblieben.“ Und so ist sie mehr als 40 Jahre lang die Fachfrau für Umsätze, Passiva, Gewinn- und Verlustrechnungen geblieben. Vielleicht ist diese Kontinuität auch ihrem Naturell zu verdanken: „Ich gehe an die meisten Sachen mit Ruhe heran, bin nur sehr selten aufbrausend.“
Ab Mai fällt nun ihr täglicher Arbeitsweg von Holzweißig nach Bitterfeld weg. Doris Kambach geht in den Ruhestand. So richtig vorstellen kann sie sich das noch nicht, aber Angst vor Langeweile hat sie nicht. Schließlich ist da ihr Haus, sind die zwei erwachsenen Kinder, sind da viele ungelesene Bücher. Und da ist ihre Reiselust. Die hat sie bereits nach Ägypten, Alaska und Irland geführt. Nun soll es weiter in die Ferne gehen. Australien und Neuseeland sind nur zwei ihrer Wunschziele.

Vorherige Portraits:

Stephanie Sitte – Bildungszentrum Wolfen-Bitterfeld e.V.
Kristian Dietrich – Geschäftsführer des Gemeinschaftsklärwerks Bitterfeld-Wolfen
Jens Piotraschke – Betriebsstättenleiter bei Evonik
Dr. Carsten Schellenberg – Geschäftsführer der IAB Ionenaustauscher GmbH
Elvira Lieder – geschäftsführende Gesellschafterin der AbS Lieder GmbH
Michael Frank – Azubi bei Clariant Produkte (Deutschland) GmbH
Stefan Kauerauf – Werkleiter der Akzo Nobel Industrial Chemicals GmbH