Gesichter der Region

Der Wandel der einst grauen Chemieregion hin zu einem fortschrittlichen Industriestandort und attraktiven Lebensumfeld sowie die Menschen in der Region rücken im Festjahr in den Fokus.

Im Rahmen der Porträtreihe „Gesichter der Region“ werden auf dieser Webseite, in einem Dokumentarfilm und einem Jahrbuch Persönlichkeiten aus der Region vorgestellt. Menschen, die hier zuhause sind, täglich zur Arbeit in den Chemiepark pendeln, seit Jahrzehnten einem Betrieb angehören oder zukünftig hier arbeiten wollen. In spannenden Geschichten, Berichten von Zeitzeugen sowie Anekdoten erfahren wir, was sie machen, wofür sie sich engagieren und was sie an ihrer Heimat schätzen.

Hagen Sandner – Werkleiter der Heraeus Quarzglas Bitterfeld GmbH & Co. KG

„Als Chemiefacharbeiter in Leuna hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich einmal in einem weltweit führenden Unternehmen Werkleiter sein würde.“

Hagen Sandner kann sich noch genau an seine Anfangszeit bei Heraeus erinnern. Als Betriebsingenieur kam er 1996 von Leuna nach Bitterfeld, „gerade als Straße 2 im Werk1 in Betrieb genommen wurde“. Seither ist einiges passiert. Im Sommer wird die Produktion im neu errichteten Werk 3 aufgenommen und Hagen Sandner ist die Karriereleiter stetig hinaufgeklettert, wurde erst Betriebsingenieur, dann Produktionsleiter und dann Werkleiter und darf sich seit 2016 Senior Vice President nennen. Als Standortleiter über drei Werke ist er für 600 Mitarbeiter verantwortlich. Damit zählt die Heraeus Quarzglas GmbH zu den großen Arbeitgebern im Chemiepark.

Die Herausforderung innerhalb kurzer Zeit derart zu expandieren hat der drahtige Mann, der seine berufliche Laufbahn als Chemiefacharbeiter in Leuna begann, mit Bravour gemeistert. Gelungen sei dies gemeinsam mit dem Mutterkonzern „der auch in schwierigen Zeiten immer an uns und unser Verfahren geglaubt hat“, unterstreicht er und verweist auf den zusammenbrechenden Markt am Anfang des Jahrtausends, als Anlagen abgestellt und Menschen entlassen werden mussten. Eine Phase die „nicht einfach“ gewesen sei und die vielleicht größte Herausforderung seiner beruflichen Laufbahn. Der lange Atem und das Durchhaltevermögen haben sich rentiert. Heraeus ist seither kontinuierlich gewachsen. Ein Drittel des Weltbedarfs an hochreinem synthetischem Quarzglas kommt heute aus Bitterfeld und sorgt insbesondere als Glasfaserkabel für schnellen Informationsfluss.

Gemeistert hat der studierte Ingenieur für chemische Technologie die schwierigen Zeiten indes nicht allein mit der Rückendeckung des Stammhauses in Hanau, sondern vor allem auch gemeinsam mit den Fachkräften vor Ort. Denn Sandner ist ein bekennender Teamplayer. Einer, der Kritik ernst nimmt, zuhört, abwägt bevor er Entscheidungen fällt. Heraeus sei ein Global Player und Marktführer bei der Glasfaserherstellung. Wenn man das bleiben wolle, müsse man auf Effizienz setzen; es gelte, Prozesse kontinuierlich zu optimieren, die Produktion schlank zu halten und aus den vorhandenen Rohstoffen ein Optimum an Ausbeute zu generieren. All dies hält Sandner für unabdingbar, allerdings nicht für ausreichend: „Vor allem muss man seine Mannschaft als Team mitnehmen“, unterstreicht er. Wer als Führungskraft nur noch in den eigenen Sphären schwebe, verliere seine Leute und das schade letztlich allen. „Teamgeist und Verantwortung“ sind für Sandner denn auch entscheidenden Stichworte. Denn nur gemeinsam könne man Abläufe gut organisieren. Letztlich gehe es darum „eine Organisation zu entwickeln, die auch ohne einen selbst läuft“, umreißt der verheiratete Vater mittlerweile erwachsener Zwillingssöhne seinen Ansatz. „Erst wenn man gelernt hat abzugeben, ist man perfekt.“

Ein gutes Team zusammenzustellen, an das man delegieren kann, das ist freilich nicht einfacher geworden in den letzten Jahren. Die Frage nach dem Fachkräftenachwuchs treibt Sandner um, – und zwar beruflich wie familiär. Einer seiner beiden Söhne ist ebenfalls Diplom-Ingenieur (für Biotechnologie) geworden, der andere hat den Lehrerberuf ergriffen. Dass beide nicht mehr in der Region zuhause sind, findet Hagen Sandner so bedauerlich wie symptomatisch: „Wir bilden hier sehr gut aus – und dann gehen die jungen Leute weg.“ Dankbar ist Sandner für die Chance, die er hier in Bitterfeld bekommen hat, sich beruflich zu entwickeln, „Als Chemiefacharbeiter in Leuna hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich einmal in einem weltweit führenden Unternehmen Werkleiter sein würde“, sagt er lächelnd. Berufliche Reisen haben ihn nach China, Japan und in die USA geführt; er hat andere Kulturen wie auch Unternehmenskulturen kennengelernt – in der Welt und in Bitterfeld die unterschiedlichsten Erfahrungen gesammelt und bekennt: „Ich lerne immer noch jeden Tag dazu“.
Wenn Hagen Sandner abschalten will, spielt er Gitarre oder läuft. Die Bewegung helfe, den Kopf frei zu kriegen, durchzuatmen, fit zu bleiben. „Denn neben einer Arbeit mit der man sich identifizieren kann, ist doch Gesundheit das wichtigste“, findet er. „Wenn man einen guten Job hat und gesund ist, kann man alles“.

Vorherige Portraits:

Stephanie Sitte – Bildungszentrum Wolfen-Bitterfeld e.V.
Kristian Dietrich – Geschäftsführer des Gemeinschaftsklärwerks Bitterfeld-Wolfen
Jens Piotraschke – Betriebsstättenleiter bei Evonik
Dr. Carsten Schellenberg – Geschäftsführer der IAB Ionenaustauscher GmbH
Elvira Lieder – geschäftsführende Gesellschafterin der AbS Lieder GmbH
Michael Frank – Azubi bei Clariant Produkte (Deutschland) GmbH
Stefan Kauerauf – Werkleiter der Akzo Nobel Industrial Chemicals GmbH
Doris Kambach – Leiterin Buchhaltung Chemiepark Bitterfeld-Wolfen GmbH
Dr. Heiko Mammen – ehemaliger Geschäftsführer, ICL-IP Bitterfeld GmbH
Maren Dannenberg – Assistentin der Geschäftsleitung bei der CBW – Chemie GmbH Bitterfeld-Wolfen
Toralf Nelle – Business Excellence Mitarbeiter und Energiemanagementbeauftragter bei STEP-G